TAG DER OFFENEN TÜR

25.11.2018

(15-17 Uhr geöffnete Ateliers)

15-17 Uhr geöffnete Ateliers

Isaac Chong Wai (Berlin) – Skulptur/Installation
Svea Kellner (Bremen) – Kuration
Tereza Kotyk (Wien) – Drehbuch
Heide Schwochow (Berlin) – Drehbuch
17 Uhr Lesungen und Tanzperformance
Ulla Lenze (Berlin) – Prosa
Ewa Dziarnowska (Berlin) – Tanz/Performance

Die Arbeitsweise von Isaac Chong Wai ist vielfältig und integriert Performances, Video-Elemente, Fotografien. Diese werden nicht selten zu installativen Raumanordnungen gestaltet. Das Projekt Sweet Candies beispielsweise widmet sich dem Thema Süßigkeiten und deren Fähigkeit, Genuss und Freude uneingeschränkt zu teilen, in Zeiten in denen Dinge, an denen man sich erfreuen kann, zu oft in den Hintergrund geraten. Dabei spielt der Künstler mit Textur und Beschaffenheit der Süßigkeiten und verformt diese in Alltagsgegenstände. Der 1990 in Guangdong/China geborene Künstler studierte Bildende Kunst an der Hong Kong Baptist Universität sowie der Bauhaus-Universität Weimar. Neben zahlreichen Ausstellungsbeteiligungen u.a. Flucht im Maxim Gorki Theater Berlin oder Wechselraum im Projektraum Deutscher Künstlerbund Berlin zeigte er in Einzelausstellungen seine Werke, u.a. Was ist die Zukunft in der Vergangenheit? Was ist die Vergangenheit in der Zukunft im Bauhaus-Museum Weimar. Er lebt und arbeitet in Berlin und Hong Kong.     

Ewa Dziarnowska ist Tänzerin und Choreographin, in deren Arbeitsweise die Improvisation eine besonders große Bedeutung hat. Für sie zählt, wie sie selbst schreibt, Tanz, der keine Choreographie ist, Studiotraining, Geist, Technik, Handwerk, Rhythmus, ein Durchlaufen der Visualität, um mittels 3D Körpern oder 2D Bildern zum Handeln zu kommen. Dies aus Dringlichkeit zu einer Form, auch zur Formlosigkeit, mitunter einer Bastardform verdichtet. Unordnungen werden aufgenommen, eine denkende Katharsis vollzogen, um von innen nach außen zu gelangen. Aus einer serpentinenähnlichen Linie des Arbeitens wachsen neue Gedanken, Zweifel werden aufgehoben, auch Urteile, der Zynismus wird entfernt, Engagement soll deutlich werden, so die Künstlerin. Als Performerin arbeitet sie gern mit anderen Tänzer*innen und Choreograph*innen zusammen, u.a. zuletzt mit Lyllie Rouvière (un peu de romantisme 2017) und Ula Sickle (Wolne Gesty 2018). Die 1991 in Polen geborene Künstlerin studierte an der Salzburg Experimental Academy of Dance und absolvierte ihren Bachelor in Tanz, Kontext und Choreographie am Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz der Universität der Künste Berlin. Für ihre künstlerische Arbeit erhielt sie u.a. das danceWEB Stipendium und aktuell ein Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Svea Kellner greift in ihrer für Ahrenshoop konzipierten kuratorischen Tätigkeit die Natur als Rückzugsort und Quelle der Inspiration und Erholung auf, die eine immer größere Bedeutung erhält, erst recht in politisch aufwühlenden Zeiten. Sie wird im weiter zu entwickelnden Projekt unter Beteiligung ehemaliger Stipendiat*innen der zunehmenden Digitalisierung und Entmaterialisierung die Natur einmal mehr entgegensetzen, um den unersetzlichen Wert dieser nicht aus den Augen zu verlieren. Die vier vorgeschlagenen Künstler*innen abstrahieren die Natur in ihren Werken auf unterschiedlichste Weise und bringen das Extrakt des Urwüchsigen, des geglaubt Natürlichen und Ursprünglichen in neue Formen. Mittels Video, Skulptur oder Fotografie interpretiert die Kuratorin in der im Neuen Kunsthaus zu sehenden Ausstellung das Verhältnis von Natur und unserem Tun auf neue Art und Weise. Die 1984 geborene Kuratorin studierte Kulturwissenschaften und ästhetische Praxis an der Universität Hildesheim. Sie kuratierte Gruppen- und Einzelausstellungen bei der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst Bremen e.V., beim Museum für Photographie Braunschweig e.V. oder bei Erlebniskontor Bremen.

Tereza Kotyk erhielt das Förderstipendium im Bereich Drehbuch, gemeinsam vergeben von Künstlerhaus Lukas und Filmkunstfest Schwerin. In filmischen und fotografischen Serien setzt sie sich auf poetische Weise mit individuellen Geschichten auseinander, die oftmals nur in der Annäherung an eine Gefühlssituation auszuloten sind. So dreht sich ihr erster Spielfilm Home is Here (2016) um die Frage der Einsamkeit, die in der heutigen Gesellschaft auf vielen Ebenen zu spüren ist und Menschen immer wieder mit der Verarbeitung von Vergangenem und dem ‚Loslassen’ konfrontiert. Im Video 27 locks, 45 miles, 11 hours (2007) folgt Kotyk einem Kanalboot über 27 Schleusen durch die Stadt Manchester, die früher Frauen Arbeit und Wohnort gleichzeitig boten und von ihnen geschleust wurden. In Once and Again (Re-Enactment) und Silent Tears (2011), ein Performance- und Fotoprojekt, zeigt sie sich selbst in einer Performance zur Verabschiedung von ihrer Großmutter, um sich dem Leben hinter dem Eisernen Vorhang in Prag anzunähern. Die 1979 in Prag geborene und in Wien aufgewachsene Autorin, Filmemacherin und Kuratorin studierte Kunst, Kunstgeschichte und Media Studies (Kamera) an der Universität für Angewandte Kunst Wien, den Universitäten Innsbruck und Dijon sowie Schauspiel am Action Studio in Manchester und am Wajda Studio Warschau. Es folgten Drehbuchausbildungen und Workshops. Ihre Arbeit wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter als Writer in Residence im Gunnarshus in Reykjavík sowie ein Certificate der Wajda Film School in Warschau (EKRAN).

Ulla Lenze ist seit ihrer Kindheit eng mit Indien verbunden. Während sie später zunächst nach eigenen Vorlieben, mitunter als Flucht immer wieder dorthin reiste, hat sich ihre Sicht auf das Land und ihr Schreiben darüber während eines Aufenthaltsstipendiums in Mumbai grundlegend geändert. Ging es zuvor, beispielsweise um Spurensuche, Reisen und Fremdsein, bekamen die gravierenden sozialen Probleme Indiens mehr Bedeutung. Auch auf ihren vielfältigen Reisen nach Indonesien, Ägypten, Georgien, Irak und Iran entstehen immer wieder interessante und einfühlsame Einblicke in andere Kulturen, die in Essays u.a. im Feuilleton der FAZ, der NZZ oder der ZEIT veröffentlicht wurden. Die 1973 geborene Autorin studierte Schulmusik und Philosophie in Köln und schloss ihr Studium über Hegels Lehre von der Dichtung ab. Die Frankfurter Verlagsanstalt veröffentlichte ihre Romane Die endlose Stadt sowie Der kleine Rest des Todes. Archanu wurde vom Ammann Verlag publiziert und Schwester und Bruder erschien unter DuMont. Des Weiteren ist sie als Leiterin von Schreibwerkstätten, als Moderatorin und Kuratorin tätig. Für ihre Romane erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien, darunter für ihr Gesamtwerk den Literaturpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft 2016.

Heide Schwochow ist Ehrengast im Bereich Drehbuch, das gemeinsam mit dem Filmkunstfest Schwerin vergeben wird. Über das Wesentliche ihrer Arbeit als Drehbuchautorin schreibt sie: Man könnte meinen, das Vergangene sei tot. Weit entfernt, hat nichts mit mir zu tun. Für mich ist das Gegenteil der Fall. Geschichten aus der Vergangenheit setzen bei mir eine große Phantasie in Gang. Was wäre wenn? Wie sähe die Gegenwart aus? Die 1953 geborene Autorin wuchs in Bergen auf Rügen auf, studierte Pädagogik, arbeitete als Kellnerin, Krippenerzieherin und Sozialarbeiterin bei geistig Behinderten bevor sie Schauspielregie an der Schauspielschule Ernst Busch in Berlin und am Institut für Journalistik in Hannover studierte. Seit dem arbeitete sie als Regieassistentin, Regisseurin und Autorin beim Radio-Feature, im Theater und beim Hörspiel. Seit 2006 arbeitet sie als Drehbuchautorin, dies in enger Zusammenarbeit mit dem Sohn Christian Schwochow zusammen an den Filmen Martha und der Fliegende Großvater, Novemberkind, Die Unsichtbare, Westen und Bornholmer Straße, bei denen er Regie führte. Den zweiteiligen Fernsehfilm Landgericht realisierte Matthias Glasner. Die Filme erhielten zahlreiche Nominierungen und Preise, unter anderen den Grimmepreis 2015 für Bornholmer Straße und 2018 für Landgericht.

Abbildung oben: Isaac Chong Wai „falling exercise“, Performance, 2016

Künstlerhaus Lukas

18347 Ahrenshoop
Dorfstraße 35
Tel.: +49 38220-6940
URL: http://www.kuenstlerhaus-lukas.de
E-Mail: post@kuenstlerhaus-lukas.de
„Tage der offenen Tür“ im Künstlerhaus Lukas, am letzten Sonntag des Monats ab 15 Uhr.

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