Carl Lohse · Brandung, Badende in stürmischer See

IN DUNKLER ZEIT

Ausstellung vom 1. Dezember 2018 bis 16. März 2019 im Kunstmuseum Ahrenshoop


Künstler in der „inneren Emigration“
Kunst von 1933 bis 1944 in der Sammlung Kunstmuseum Ahrenshoop

In der Zeit des Nationalsozialismus flohen viele Künstlerinnen und Künstler aus Deutschland und gingen ins Exil. Andere blieben im Land, begaben sich aber in die so genannte „innere Emigration“. Auch im Ostseebad Ahrenshoop lebten Künstler, die sich aus dem Kulturbetrieb des Landes komplett zurückgezogen hatten. Die Ausstellung „In dunkler Zeit“ dokumentiert dies in einer Sammlungsausstellung.

Öfter ist davon die Rede, dass Ahrenshoop und die angrenzende Küstenlandschaft während der NS-Diktatur Schutz und Rückzugsmöglichkeiten für Künstler geboten hätten. Dass das nur bedingt der Fall sein konnte, zeigen die historischen Fakten. Auf Hiddensee gab es seit 1935 ein Betretungsverbot für jüdische Menschen. Mit dem Bau der Heeresversuchsanstalt Peenemünde war das beschauliche Naturreservat der Insel Usedom in einer Weise bedroht, vor der kein aufmerksamer Mensch die Augen verschließen konnte.

In Ahrenshoop verkehrten Nazigrößen wie Hermann Görig, der im Darßwald seinem Jagdvergnügen nachging. Ab 1935 entstand auf der Halbinsel Pütnitz in der Ribnitzer See ein Militärflugplatz mit angegliederter Seefliegerschule. Auch der Bau des Barther „Fliegerhorsts“ begann 1935. Im Konzentrationslager Barth wurden Häftlinge in Zwangsarbeit für die Heinkel-Flugzeugwerke zu Tode geschunden.

Wie gingen Künstler, die in dieser Zeit an der Ostsee weilten, mit der Atmosphäre um, die sich aus der allgegenwärtigen Bedrohung ergab? Was hieß es für sie, sich in der „inneren Emigration“ dennoch künstlerisch und menschlich zu behaupten, erst recht, wenn durch den Krieg ein großer Teil des Lebenswerks verlorenging? Einige in der NS-Zeit auf Fischland und Darß wirkende Künstler waren schon vorher dort ansässig geworden: so Fritz Koch-Gotha und Dora Koch-Stetter, Hans Brass, der einstige Bauhausmeister Gerhard Marcks und sein Malerfreund Alfred Partikel. Beide wurden im NS-Staat mit expressionistischen Werken aus den 1920ern angeprangert. Ihr harmonisches Menschen- und Landschaftsbild späterer Jahre bot kaum noch Angriffsflächen zum Verruf, doch blieben ihre Wirkungsmöglichkeiten eingeschränkt.

So ging es auch der Rostockerin Kate Diehn-Bitt. Über die „jüdisch versippte“ Künstlerin der Neuen Sachlichkeit, die unterließ, um Aufnahme in die „Reichskammer der bildenden Künste“ zu bitten, wurde neben dem Ausstellungs- auch ein Mal- und Farbenverbot verhängt. Wie von Carl Lohse und anderen ihrer Altersgenossen bekannt, kam auch ihr Schaffen ab 1938 weitgehend zum Erliegen und erlebte erst nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges einen Neuanfang. Für Künstler wie Carl Lohse, Werner Gilles, Ernst Wilhelm Nay, Louise Rösler oder Juro Kubicek, die alle in den 1930ern noch junge „Malgäste“ an der Ostsee waren, erwies sich der verfemte Geist der Moderne als humane Zuflucht. Sie bestanden konsequent auf diesem Erbe. Ihre künstlerische Arbeit kreiste weiterhin um Landschaft und Figur. Es ging darin um starke sinnliche und geistige Erlebnisse, um Projektionen einer wahren Lebensform, die im Kontrast zur unannehmbaren sozialen und politischen Wirklichkeit stand. Es können stille Bilder sein, die diese Gegenwelt enthalten, oder farbenreich bewegte. Die überzeugendsten Lösungen liegen abseits vom akademischen Konsens.

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