Karolin Schwab · Cloudcatcher

HIER & JETZT – Nachwuchskunstpreis für Bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern

Ausstellung vom 14. Juli bis 18. August 2019 im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow


Im Jahr 2018 wurde der Nachwuchskunstpreis für Bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern ausgelobt. Werke der nominierten Künstler*innen sowie der Preisträgerin Pauline Stopp werden in der Ausstellung präsentiert.


Beteiligte Künstler*innen:

Lotte Buch
Ludwig Nikulski
Rico.
Ramona Schacht
Karolin Schwab
Pauline Stopp

Programm der Eröffnung

Grußwort
Dr. Kristina Süße, Leiterin der Abteilung Kultur und Sport im Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Einführung
Miro Zahra, Leiterin des Mecklenburgischen Künstlerhauses Schloss Plüschow
Musik
Nora Shekyan – Violine · Shushan Ghazaryan – Gitarre · Hochschule für Musik und Theater  Rostock

Dauer der Ausstellung vom 14. Juli bis 18. August 2019
Geöffnet von Dienstag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr

Gefördert durch das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern, den Landkreis Nordwestmecklenburg und die Gemeinde Upahl.
Die Ausstellung steht unter der Schirmherrschaft der Ministerin für Bildung, Wissenschaft und Kultur in Mecklenburg-Vorpommern Bettina Martin.

Infos zum Nachwuchskunstpreis für Bildende Kunst in Mecklenburg-Vorpommern

Der Kunstpreis wird alle zwei Jahre an Künstler*innen, die einen Bezug zum Land Mecklenburg-Vorpommern nachweisen können und nicht älter als 35 Jahre sind vergeben. Zum ersten Mal wurde der Preis im Jahr 2016 an die Künstlerin Ramona Seyfarth aus Neubrandenburg vergeben.
Der Preis wird aus dem Programm zur Nachwuchskünstlerförderung des Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern finanziert und steht unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Ministers/in für Bildung, Wissenschaft und Kultur des Landes Mecklenburg-Vorpommern.
Der Kunstpreis beinhaltet ein Meisterstipendium in Höhe von 5.000 Euro und ist mit einem individuellen Mentoring durch einen erfahrenen Kunsthistoriker sowie einer Katalogförderung verbunden. Die Auswahl der Nominierten und der Preisträger*in wird von einer Fachjury, die vom Künstlerhaus Schloss Plüschow berufen wird und die aus Vertretern des Verbandes der Kunstmuseen, Galerien und Kunstvereine in Mecklenburg-Vorpommern e.V. sowie weiteren Fachleuten besteht, getroffen. Neben der künstlerischen Qualität spielen bei der Auswahl folgende Aspekte eine besondere Rolle: Konsequenz der stetigen künstlerischen Arbeit, Innovationskraft und Bezug zur Gegenwart, persönlicher und/oder inhaltlicher Bezug zu Mecklenburg-Vorpommern, bisherige Sichtbarkeit und Anerkennung in Mecklenburg-Vorpommern sowie die Qualität des Bewerbungsmaterials.
Der Nachwuchskunstpreis in Mecklenburg-Vorpommern 2018 wurde am 20.12.2018 durch die Bildungsministerin Birgit Hesse an die Künstlerin Pauline Stopp aus Greiswald übergeben. Die weiteren Nominierten für den Preis waren Lotte Buch, Ludwig Nikulski, Rico., Karolin Schwab und Ramona Schacht.

Zur Ausstellung erscheint ein Katalog.

Infos zu den beteiligten Künstler*innen

Lotte Buch (lebt und arbeitet in Rostock)

Die Keramikerin Lotte Buch testet die Grenzen ihres Materials aus, wenn sie besonders Großes, zerbrechlich Dünnes oder Flüchtiges schafft. Die Untersuchung von Strukturen ist ein grundsätzliches Thema der Arbeiten Lotte Buchs. Sie testet und erforscht Synthesen verschiedener Werkstoffe und Konstruktionen: die Materialeigenschaften und Strukturen, die feinen Linien auf den Oberflächen von Porzellan oder Steinzeug, von Ton vermischt mit Glasfasern oder Papierbrei. ...
Das Thema der Arbeiten Lotte Buchs ist weniger die Form an sich, sondern das Fühlen und Beziehungen. Die Formen finden keine Entsprechung in der Form des Menschlichen Körpers, auch nicht als sein Gegenüber. Der Mensch findet dennoch Eingang in die Arbeiten, denn die Formen und Strukturen sind Interpretationen des von Erfahrungen. Darüber kommt das Menschliche ins Spiel, jedoch nicht im Sinne einer konkreten Gestalt, sondern als abstrakt gedachtes Nachspüren von Erfahrungen und Ereignissen, vom Schaffen und Zerfallen.
Auch die Objekte mit architektonischen Assoziationen repräsentieren keine konkreten Orte, sondern wecken Assoziationen an Strukturen des Gedächtnisses, die Einordnung von Erinnerungen, Prozesse und Sortierungen von Gedachtem. Es sind Abstraktionen von bereits Gesehenem. Im jeweils neuen Arrangement werden die Strukturen zu Topologien von menschlichen Handlungen und Erinnerungsprozessen.
(Christina May 2019, aus dem Text zum Katalog)


Ludwig Nikulski (lebt und arbeitet in Berlin)

Ludwig Nikulski ist oft unterwegs auf Reisen ins Ungewisse. Er nimmt seine Mittelformatkamera und Farbfilme mit, mag gern analog zu fotografieren, und das heißt für ihn, intuitiv und doch überlegt Fotos herzustellen. Auf seinen Reisen begegnet er Menschen, die ihm zu neuen Geschichten und Entdeckungen führen und ihm gleichzeitig zu weitreichend neuen künstlerischen Ideen für seine fotografische Arbeiten inspirieren.
Künstlerisches Experiment, Expeditionen in fremde Gebiete, geben immer einen Anlaß etwas Neues und Unbekanntes zu entdecken, so die These des Künstlers. 
Die Geschichten, die er mit seinen Fotografien erzählt, sind oft rätselhaft und poetisch,  gerade weil in ihnen so viel im Ungewissen bleibt. Diese Unbestimmtheit zieht den Betrachter an und verleiht den Arbeiten eine besondere Intensität.
(Miro Zahra)


Rico. (lebt und arbeitet in Neubrandenburg)

Ricos. Arbeiten berühren verschiedene Medien, befinden sich zwischen Zeichnung und Installation, Malerei und Graffito oder Objektkunst und Neuen Medien. Diese genreübergreifende Arbeitsweise ist Grundlage ihrer künstlerischen Methode, denn Rico.s durchgängiges Konzept ist die Umformulierung von Themen, Stoffen und Motiven in alternative Materialien. Mit jeder Übersetzung in eine andere Form entsteht etwas Neues; die bloße Substitution des einen Materials durch ein anderes ist nicht möglich. ...
(Christina May, 2018, aus dem Text zum Katalog)


Ramona Schacht (lebt und arbeitet in Leipzig)

Die zeitgenössische Auseinandersetzung um das fotografische Bild gestaltet sich bei Ramona Schacht als offenes Experimentierfeld. Nach wie vor spielt dabei der nackte Körper, insbesondere eine Infragestellung des Bildes von weiblicher Nacktheit in der Werbung, den Medien, sowie im Internet eine deutlich sichtbare Rolle.
Ramona Schacht nutzt in ihrer aktuellen künstlerischen Arbeit den Wirklichkeitsausschnitt, das Körperteil und seine fotografische Abbildung in räumlicher Ausformung. Sie entwickelt Objekte, die eine als Fotoprint realisierte Oberfläche haben, aber als schlüssiges Beispiel einer expanded photography im Raum stehen – als Partikel einer heterogenen Lebenswelt.
(Christoph Tannert, 2018, aus dem Text zum Katalog)


Karolin Schwab (lebt und arbeitet in Berlin und Stralsund)

Karolin Schwab arbeitet im Raum, für den Raum und mit dem Raum. Das bedeutet, ihr Denken und gestaltendes Handeln befasst sich zentral mit Phänomenen der dritten Dimension, ihren Bedingungen und Möglichkeiten. Bei Schwabs Kunst geht es um die Erforschung und Vermittlung sinnlicher Erfahrungen im Raum; dies geschieht anders als etwa in der Physik oder Mathematik an konkreten Situationen in unserer Umwelt, und so ereignet sich ihr Werk mit der Herstellung von Gegenstände, die plastisch oder flach am Boden oder an den Wänden erscheinen, wie auch im Stadtraum oder in der Natur, z.B. in den Bergen oder am Meer.
(Peter Funken, 2018,  aus dem Text zum Katalog)



Pauline Stopp (lebt und arbeitet in Greifswald)

Eine Skulptur lagert auf dem Boden, aus Gips geformt, zeigt sie zahlreiche runde Formen und ist eingefärbt mit rosa Pigment. Ihr Titel ist „semipermeabel“ – halbdurchlässig, sofort stellt sich eine Vorstellung von Körperlichkeit ein, an Eier, an Brüste kann man denken. Es sind Formen der Fülle, aber doch zugleich dermaßen popig rosa bemalt, dass hier jede konkrete Nachahmung von Natur sofort als Persiflage erscheint. Die Sache ist also keineswegs eindeutig. Und sowieso die Arbeit „semipermeabel“ ist ästhetisch mehrdimensional, denn sie ist nicht nur Skulptur, sondern auch Bestandteil eines Fotos, das die Künstlerin Pauline Stopp behängt mit diesen eiförmigen Gebilden zeigt. Es entstand bei einer Performance. Hier gehört demnach Verschiedenes zusammen: Die plastische Arbeit ist als Skulptur oder Objekt Teil einer Ausstellungsinstallation und einer Performance; das Foto, das sie abbildet, ist zudem ein grafisches Kunstwerk und darüber hinaus Dokument der  künstlerischen Aktion.
Alles beginnt und gestaltet sich hier mit dem Denken und Handeln von Pauline Stopp, die über ihren Werkprozess sagt: „Der Inhalt bestimmt das von mir gewählte Medium“. Die Medien, Techniken, auch das Material ihrer Kunst sind tatsächlich vielfältig – sie verwendet Farbstifte und Videotechnik, sie strickt und gestaltet dreidimensional, sehr vieles kann Stoff ihrer Kunst werden, auch sammelt sie Gegenstände, die sie verwertet. Pauline Stopp ist eine Künstlerin, der Bricolage, des Experimentierens, Forschens und Bastelns – technische Perfektion ist für ihr ästhetisches Verständnis nicht unbedingt ausschlaggebend, viel eher der Prozess, in dem ein Kunstwerk entsteht.
Auf den ersten Blick wirken ihre Arbeiten fast ein wenig kindlich, also spontan gemacht und vereinfachend in der Darstellung. Doch Vorsicht, es ist hier nichts simpel, vor allem sind Pauline Stopps Werke tiefgründig und an Fragen orientiert, die unmittelbar unsere Existenz und die Existenz unserer Kultur berühren.
(Peter Funken, 2018, Pauline Stopp ... Wahrheiten über die Wirklichkeit, aus dem Text zum Katalog)

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