Nicole Woischwill · Anett

ENDLICH · Fotoarbeiten von Andreas Rossmann, Nicole Woischwill, Marc Zenner

Ausstellungseröffnung am 27. Juli 2019 um 17 Uhr im Schweriner Kunst-Wasser-Werk e.V.


Begrüßung durch Hugo Klöbzig vom Verein Kunst-Wasser-Werk e. V., Einführung in die Ausstellung durch die Kulturwissenschaftlerin Dr. Melanie Stumpf, musikalische Begleitung: Ulrich Maiß, Cello.

Ein Lichtspiel fällt auf Gemäuer und versetzt in Erstaunen. Aus Schwarzweiß holt Andreas Rossmann Buntheit hervor. In seiner Serie ICH SEHE WAS, WAS DU NICHT SIEHST (2015), deren Farben Graustufen sein müssten, entsteht aus Licht, das durch Kirchenfenster fällt, ein Regenbogen. Doch anstelle der Glaskunst sehen wir die indirekte Verstreuung von farbigem Leuchten auf dunklem Stein.

Mit Andreas Rossmann zeigen in der Ausstellung »ENDLICH« auch Nicole Woischwill und Marc Zenner ihre Fotografien. Alle drei erspüren auf ihre Art diesen Gefühlspunkt, an dem das Endlich der Endlichkeit begegnet. Ein Punkt, für den die Fotografie zumindest Näherungswerte schafft.

So geht es in der Serie FAMILIENBANDE von Nicole Woischwill um "Menschen, die wichtig sind oder Emotionen, die wichtig sind". Die Motive, die in den Jahren 2015 bis 2016 durch Verfahren wie Camera Obscura und Polaroid-Belichtungen entstanden, verweisen darauf, dass Bindungen vielleicht genau deshalb reißen, weil sie manchmal zu stark unter Spannung stehen. Der Blick der Mutter beim Schminken, aufgenommen durch ein Dreieck, das ihre Hände und der Spiegel formen, markiert genau, wie fragil wir eigentlich sind.

Ausgelöst durch die Betrachtung einer Aufnahme der Mutter, allerdings der verstorbenen, hat schon Roland Barthes in seinem Werk DIE HELLE KAMMER erklärt, dass die Fotografie die "Wiederkehr des Toten" sei, auch, weil sie unbeweglich wäre. So scheinen Nicole Woischwills Aufnahmen nochmals wie eingefroren in dem Blau, in das sie die Bilder getaucht hat als seien sie viragierte Stummfilmstills.

In ANETT (2019), einer Cyanotypie auf Aquarellpapier, sticht erneut dieses Blau hervor. Hier läuft es über den Hintergrund wie geschmolzene Scherben eines Spiegels, rinnt darüber wie das Silbernitrat auf rohem Film. Direkt aus dieser Alchemie des Verfahrens blickt das schwarzweiße Gesicht einer Person, die für die Fotografin wichtig war, die nicht mehr lebt, die auf diese Weise weiterlebt, weil mitschwingt, dass alle unsere Beziehungen einer Endlichkeit unterliegen, die wir nicht kontrollieren können.

Blau ist damit die ABSTRAKTE REALITAT von Endlich. So heißt ebenfalls eine der Serien von Marc Zenner. Was ihn mit allen verbindet, ist sein ausgeprägt malerischer Blick: Auffällig ist das dunkelblaue Lichtgitter im Mittelgrund seiner Straßenszene von 2019. Regentropfen haben sich darin verfangen, vorne passiert die Silhouette einer Person mit Schirm und fasst alles ein in ihre Schwärze. Die Staffelung lässt vermuten, dass auch dies ein Ausschnitt aus einem Film wäre, vielleicht einem Film Noir. Hinten kommen Schemen zum Vorschein und ein lichteres Blau. Wie Hoffnung schimmert es auf: jener Moment, an dem das Sein dem Nichtsein die Hand reicht.

Text: Dr. Melanie Stumpf

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Geöffnet ist die Ausstellung vom 28. Juli bis einschließlich Samstag, den 24. August 2019 immer von Freitag bis Sonntag jeweils 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung. Der Eintritt ist frei.

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